SPAZIERGANG MIT NORAN, EINEM POLARWOLF

Anke ist seit kleinauf fasziniert von Wölfen und im Jahr 2008 hatten wir über Bekannte von einem Wolfspaziergang erfahren. Tanja Askani, Falknerin und Wolfsexpertin im Wildpark Lüneburger Heide, bietet seit etwa 10 Jahren Wolfsspaziergänge an. Leider konnten wir 2008 nicht an einem der Spaziergänge teilnehmen und verloren das Thema wieder etwas aus den Augen.

 

Anfang 2009 wurde Ankes Wunsch wieder geweckt, denn Sandra, Andre und Kerstin, unsere Hochzeitsfotografen, waren mit Noran, dem Polarwolf und Frau Askani spazieren und berichteten mit Begeisterung darüber. Danach war es dann endgültig um Anke geschehen. Rasch schaute sie nach, ob es noch weitere Termine gibt. Tatsächlich, u.a. am 10.01.! Eine kurze Mail an Jens in die Firma geschickt, Rückantwort abgewartet und dann schnell per Mail bei Frau Askani angemeldet.

 

Die Antwort von Frau Askani folgte innerhalb weniger Tage und sah wie folgt aus: „Wir treffen uns am 10.01. um 12:00 Uhr an der Kasse des Wildparks – bitte nicht reingehen – Treffpunkt ist am Parkplatz vor dem Eingang. Bitte pünktlich sein, da wir nach kurzer Einführung wegfahren – die Führung findet außerhalb des Wildparks statt (bei Verspätung finden Sie uns dann nicht und ich habe keine Möglichkeit mehr Sie abzuholen).“

Endlich der Spaziergang mit Polarwolf Noran am 10. Januar 2009

Mit winterfester Kleidung konnten wir es an diesem Tage kaum abwarten bis es endlich los ging und waren, wie so oft, viel zu früh vor Ort. Um die Zeit zu nutzen, gingen wir schon einmal in den Wildpark auf eine erste kleine Erkundungstour.

 

Gegen 11:40 Uhr standen auf dem Parkplatz bereits drei andere Pärchen und zwei Einzelpersonen herum. Wie wir richtig vermuteten, warteten sie auch auf das, was da so kommen würde. Kurz vor 12 fuhr Frau Askani mit dem Wagen vor. Mit an Bord war neben Noran noch Attila, der dreijährige Deutsch Drahthaar.

 

Während der kleinen Einführung wurde uns mitgeteilt, wie man sich dem Wolf gegenüber verhalten sollte. Darüber hinaus erfuhren wir, dass Noran mit 3 Jahren ein absolutes Ausnahmetier ist. Es ist nicht bekannt, daß andere, von Hand aufgezogenen Wölfe in dem Alter so eine Aktion mit Spaß, geschweige denn überhaupt noch mitmachen. Es könne also jederzeit das letzte Mal sein. Sobald sie auch nur die kleinsten Anzeichen für Unlust bei Noran wahrnehme, gäbe es keine Spaziergänge in dieser Art mehr mit ihm.

 

Wir bekamen alle Hundleckerli für Noran in die Hände gedrückt, mit der Aufforderung, ihm dies nur halbiert zu geben und erst dann, wenn sie das Ok dafür gebe. Attila sollte davon nichts bekommen.

 

Dann verteilten sich die Teilnehmer auf drei PKW und fuhren hinter ihr her, in ein nahe gelegenes Waldstück. Wir versammelten uns am Eingang zu einem großen eingezäunten Gebiet, auf dem Tannenbäume gepflanzt wurden. Frau Askani „warnte“ uns vor: sie mache jetzt die Box auf, es käme uns ein Wolf und ein Hund entgegengeschossen. Die beiden würden aber sicher erst mal in den Tannen verschwinden.

Die Spannung steigt

Die Spannung stieg … und … da war er: braun-grau-gemustert mit fliegenden Schlappohren. Fast dampfwalzenartig raste Attila an uns vorbei und war erstmal hinter den Bäumen veschwunden. Gleich darauf folgte etwas weißes. Genauso schnell, aber leise und fast schwebend … Noran, der Polarwolf. Er folgte Attila in Richtung Baumbestand.

 

Unsere erste Begegnung mit dem Drahthaar und dem Polarwolf. Noran tauchte als erster wieder auf. Er lief zwischen uns staunend stehenden herum und Frau Askani rief zum Aufbruch. Wir liefen bei strahlender Sonne auf einem weiß-verschneiten Weg zwischen Tannenbäumchen, immer alle Antennen ausgefahren, ob, wann und wo Wolf oder Hund denn nun mal wieder auftauchen würden.

Auf einer kleinen Lichtung bat uns Frau Askani, uns im großen Kreis aufzustellen. Noran kenne dieses Spiel schon. Wir sollten uns hinknien. Noran würde bei jedem vorbei kommen und sich Leckerli abholen.

 

Wieder die „Ermahnung“ von Frau Askani: niemals vergessen, daß er ein Wolf ist. Auch wenn er noch so zahm und kuschelig aussieht und freundlich ist. Sie rief Noran zu sich und er wusste schon, was zu tun war. Er kam zu jedem von uns und holte sein Leckerli ab. Ganz vorsichtig und behutsam fraß er aus der Hand. Zwischendurch tollte er mit Attila rum und kam in gewissen Abständen immer wieder bei den faszinierten Menschen vorbei.

 

Dass Noran ein sehr wohlerzogener Wolf ist, der auf seine „Mama“ hört, bewies er uns schon bald: Eine Dame aus unserer Gruppe hatte ihren Rucksack neben sich auf den Boden gelegt. Noran holte bei ihrem Mann ein Leckerli ab und schnappte sich, so schnell konnten wir gar nicht schauen, ihren Rucksack und wollte damit auf und davon. Er kam nur bis zur Mitte des Kreises, denn Frau Askani reagierte blitzschnell und rief ihn mit erhobener Stimme zurück. Der Ertappte lies seine „Beute“ fallen. Frau Askani lobt ihn dafür, daß er von dem Rucksack abließ und gab ihm zur Belohnung ein Käsestück (Bestechungsmittel). Ringsherum Staunen: ein Wolf, der Käse mag …

 

Anke war nicht unbekannt, dass Hunde Käse mögen, denn der Therapiehund im Kindergarten bekommt auch Käse als besonderes Leckerli. Aber Wölfe? Frau Askani nannte Noran auch den „holländischen Wolf“.

 

Nach der Aktion mit dem Rucksack war für Noran erstmal wieder spielen angesagt. Er und Attila tollten herum. Da passierte das, was einem echten Wolf richtig peinlich ist, vor allem, wenn so viele zuschauen: er stolperte und knickte ein. Frau Askani kommentierte das ganze aus Norans Sicht für uns in etwa so: „So ein großer starker Wolf, dem passiert sowas nicht. Und da schauen auch noch so viele zu. Wie peinlich mir das ist….“ Und er verschwand ganz schnell im Gehölz.

 

Frau Askani beantwortete Fragen, Noran tauchte wieder auf, ebenso Attila, das Leckerli-Naschen ging weiter. Frau Askani fotografierte viel.

Anke geht es an den Kragen

Anke findet Wölfe ja wirklich faszinierend und schön. Was ihr aber gar nicht gefällt, wenn ein Wolf, in dem Falle Noran, sich von hinten an ihrem Kapuzenkragen mit Kunstfellbesatz zu schaffen macht. Er lief hinter ihr vorbei und zupfte vorsichtig an der Kapuze. Frau Askani fand das Ganze fotografierenswert, denn es entstand eine nette Bilderreihe á drei Fotos, die Noran knabbernd und schlecken-wollend an Ankes Seite zeigen. Ankes Gesichtsausdruck kann man dahingehend deuten, als daß sie sich in diesem Moment recht unwohl fühlte.

Zum Glück verlor Noran schnell das Interesse an der Kapuze und marschierte weiter…

 

Wir taten es ihm gleich und gingen wieder ein Stück spazieren, Noran und Attila immer vorweg. Unterwegs erklärte uns Frau Askani, daß sie für Noran kein Alpha-Tier ist, sondern seine „Mutter“. Eltern werden so akzeptiert, wie sie sind. In dem Fall muss auch keine Position erkämpft werden. Würde Noran sie als Alpha-Tier ansehen, käme es irgendwann unweigerlich zu einem Angriff. Im weiteren berichtete sie über ihre Arbeit und mit welchen aktuellen Problemen sie zu kämpfen hat.

 

Der dritte und letzte Stopp war wieder eine Spiele-Runde. Wir wurden einzeln, mit Leckerli bewaffnet, ein Stück weit weg von der Gruppe geschickt. Noran wurde dabei von Frau Askani abgelenkt. Sie schickte ihn hinter uns her und er holte sich ein Stück Käse bei den Personen ab. Je nachdem in welcher Höhe man seine Hand hatte, stütze sich Noran mit einer oder beiden Vorderpfote an den Leckerli-Gebern ab. Die ganze Aktion inklusive dem gemeinsamen Weg zurück zur Gruppe wurde in Bildern festgehalten.

 

Wir standen noch eine Weile und lauschten der Unterhaltung von Frau Askani und einem Filmtiertrainer. Noran und Attila vergnügten sich zwischen uns. Man musste Angst haben, von Attila umgewalzt zu werden. Er raste ohne Rücksicht auf Verluste durch die Gruppe hindurch, Noran glitt dagegen vorsichtig an uns vorbei.

 

Es war schön zu beobachten, wie die beiden Fangen spielten: Noran immer vorne weg, Attila vergebens hinterher. Noran blieb stehen, wartete um seinem Freund die Chance zu geben, ihn einzuholen. Als es ihm zu langweilig wurde, machte er sich auf die Suche nach einem anderen Spiel. Das fand er bei einem Bekannten am Zaun. Ein Mann, dem ein angrenzender Fischweiher gehört. Dem luchste Noran einen blauen Topf für Fischfutter ab. Attila war sichtlich eiversüchtig auf das Spielzeug seines Freundes und versuchte, es ihm abzunehmen. Nach langem Getobe und Ablenkungsmanövern klappte es endlich und Noran war sichtlich geknickt, daß der „böse“ Hund ihm sein Spielzeug geklaut hatte. Er ging zu Frau Askani und schmiegte sich bei ihr an, als suche er Trost und Zuspruch wegen dieser schlimmen Sache. Nachdem Noran getröstet worden war, machten wir uns langsam auf den Rückweg.

Wolfsgeheul

Frau Askani machte uns auf das Wolfsgeheul aufmerksam, das vom Wildpark her drang. Wenn man nun denkt, Noran hätte das Geheul seiner Artgenossen interessiert, weit gefehlt. Er spitzte nicht einmal die Ohren oder schaute in die Richtung. Frau Askani informierte uns daraufhin, daß Noran das Geheul absolut nicht interessiert, wenn er draussen unterwegs ist. Attila hingegen stimmte mit ein, als Frau Askani die Töne nachahmte.

 

Attila und Noran sind gemeinsam groß geworden und so hat sich Attila viel von dem Wolf abgeschaut und übernommen. Er hat gewissermassen die Fremdsprache „Wolf“ erlernt, so unsere Deutung.

 

Nachdem wir nach knapp zweieinhalb Stunden wieder am Gatter und den Autos angekommen waren, wurden die beiden ins Auto verfrachtet. 

Noran fahre immer noch gern Auto, so Frau Askani. Beide Tiere gingen ohne irgendwelche Probleme freiwillig zurück ins Auto. So ging ein schöner Spaziergang zu Ende. Wir fuhren zurück zum Wildpark und machten uns auf den kurzen 45-minütigen Rundweg. Vorbei an Wildschweinen, Elchen, Bisons, Eulen, Luchsen, Rehen, hin zu Noran und seinen Kollegen. Er war schon wieder in seinem Gehege bei Nanuk, dem zweiten Polarwolf im Wildpark Lüneburger Heide.

 

 

Nanuk versuchte auf dem zugefrorenen Tümpel Eis los zu bekommen. Noran lag gemütlich auf einer kleinen Erhebung. Im Nebengehege genossen die Timberwölfe ihren Verdauungsschlaf. Leider mussten wir uns rasch auf den Weg zurück machen, denn es wurde im Schatten sehr kalt. 

Unsere Eigene Aufnahme vom Parkplatz - Man stelle sich nun noch Wölfe vor
Unsere Eigene Aufnahme vom Parkplatz - Man stelle sich nun noch Wölfe vor

 

 

Auf dem Weg zurück sahen wir noch, wie ein Fahrzeug des Parks zum Wolfsgehege fuhr und schon waren die eben noch liegenden Wölfe sehr aktiv und ließen ihr Heulen hören. Ein schöner Eindruck zum Abschluss und das passende Bild erwartete uns ausserhalb des Parks: der Vollmond.

 

Die Vorurteile gegenüber Wölfen können wir nach diesem lehrreichen Tag noch weniger nachvollziehen.

 

Auf diesem Wege noch ein dickes DANKESCHÖN an Frau Askani für den beeindruckenden Tag und die Erlaubnis die Bilder hier zeigen zu dürfen.

 

Anke & Jens

Hier schreibe und zeige ich Bilder und veröffentliche meine Erfahrungsberichte zu verschiedenen Themen. Im engeren und / oder weiteren Sinne haben diese mit der Fotografie zu tun. 

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